Japan-Tagebuch 21: 256 Stufen und ein großes Dankeschön

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14. Oktober 2026 · Am Abend nach unserer letzten Motorradetappe nach Kyoto

Heute Morgen durfte Kyoto noch warten. Jetzt sind wir angekommen, haben unseren letzten Motorradtag mit einem gemeinsamen BBQ im Hotel abgeschlossen – und ich merke, wie wenig das Wort „angekommen“ über diese Reise sagt. Das Motorrad kann man abstellen. Die vielen Eindrücke lassen sich nicht so einfach ausschalten.

Anneliese und ich haben eine überwältigende Reise erlebt. Ich werde wohl Wochen brauchen, um alles zu verarbeiten. Bevor ich aber versuche, ganz Japan in einen einzigen Gedanken zu packen, gehört dieser letzte Fahrtag ins Tagebuch.

Zwischen zwei Felsen – und 256 Stufen bergab

Auf dem Weg nach Kyoto besuchten wir den Tarōbō-gū-Schrein mit seinen Meoto-iwa, den „verheirateten Felsen“. Zwei gewaltige Felswände, dazwischen ein enger Durchgang – und mittendrin ein 76-jähriger Motorradfahrer. Das Foto zeigt: Ich habe hineingepasst. Für eine große Geste mit ausgestreckten Armen war die Architektur allerdings nicht vorgesehen.

Im schmalen Durchgang zwischen den Felsen.
Im schmalen Durchgang zwischen den Felsen.

Bei den Stufen hielten wir es vernünftig: Hinauf nahmen wir den leichteren Weg, hinunter gingen wir die 256 Stufen. Man muss dem Ehrgeiz ja nicht bei jeder Treppe das Kommando überlassen. Auch bergab ist man durchaus beschäftigt.

Steinernes Tor und Treppe am Schrein.
Steinernes Tor und Treppe am Schrein.
Kurt vor hölzernen Wunschtafeln am Schrein.
Kurt vor hölzernen Wunschtafeln am Schrein.

Italienische Pause an Japans größtem See

Mittags saßen wir in einem italienischen Lokal am Biwa-See. Japan vor den Augen, italienisches Essen auf dem Tisch: Auch auf einer Motorradreise darf die Speisekarte gelegentlich die Landesgrenze überqueren. Der Platz am Wasser war wunderbar romantisch. Nach den Felsen und Stufen bekam der Tag hier einen ganz anderen Rhythmus.

Mittagspause mit Blick auf den See.
Mittagspause mit Blick auf den See.
Zusammen auf der Terrasse am Biwa-See.
Zusammen auf der Terrasse am Biwa-See.

Unsere Fahrt führte uns auch durch kleinste Gassen, bevor es zurück nach Kyoto ging. Wenn ich diesen Tag auf wenige Stationen reduziere, lautet die Linie: Tarōbō-gū, Mittagspause am Biwa-See, Kyoto. Dazwischen lag das, was sich auf einer Routenliste nur schwer festhalten lässt: die Freude am Unterwegssein.

Victor und Taka: Danke auch für die kleinen Dinge

An diesem Abend möchte ich unseren beiden Guides Victor und Taka ausdrücklich danken. Sie haben viel mehr getan, als uns den Weg zu zeigen. Bei Pausen drehten sie die Motorräder so, dass sie für die Weiterfahrt schon richtig standen. Sie putzten die Rückspiegel. Kleine Handgriffe, könnte man sagen. Für uns waren sie jeden Tag spürbare Aufmerksamkeit.

Taka kümmerte sich um jedes Detail. Mit ihm konnte ich meine BMW R 1300 GS und ihre Möglichkeiten in den Kurven intensiv erleben. Nach diesen gemeinsamen Abschnitten warteten wir ein paar Minuten auf die Gruppe. Diese Freude am Fahren gehört für mich ebenso zu Japan wie die Schreine und die Landschaften. Victor und Taka haben wesentlich dazu beigetragen, dass diese Reise so besonders wurde.

Aus Mitreisenden wurden Freunde

Beim gemeinsamen BBQ auf der Dachterrasse des Hotels ging unsere Motorradreise zu Ende. Der Abend war leider rauchig, laut und ein wenig chaotisch. Schade um diesen letzten gemeinsamen Abend. Um uns herum Menschen aus Neuseeland, Frankreich, England, Amerika, Deutschland und der Schweiz. Am Anfang waren wir eine Reisegruppe. Inzwischen sind Freundschaften und intensive Kontakte entstanden. Diese Begegnungen bleiben wertvoll, auch wenn ich mir für den Abschlussabend einen schöneren Rahmen gewünscht hätte.

Ein gemeinsames Foto beim Abschlussabend.
Ein gemeinsames Foto beim Abschlussabend.
Daumen hoch beim gemeinsamen BBQ.
Daumen hoch beim gemeinsamen BBQ.

Auch STOP WAITING ist unterwegs bei einigen angekommen. Menschen haben sich davon anregen lassen, Dinge nicht immer weiter aufzuschieben. Das freut mich sehr. Gerade nach diesen gemeinsamen Tagen hat dieser Gedanke für mich wieder ganz konkrete Gesichter.

Heute bleibt vor allem Dankbarkeit: für Anneliese an meiner Seite, für unsere Mitreisenden, für Victor und Taka – und dafür, dass ich mit 76 noch so etwas erleben darf. Die Motorradetappe ist abgeschlossen. In meinem Kopf ist Japan noch lange unterwegs.

Lichter über unserem Abschlussabend.
Lichter über unserem Abschlussabend.

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