Japan-Tagebuch 18: 300 Kilometer und ein bisschen Gruppenpsychologie

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Dienstag, 13. Oktober 2026 · Morgen-Notiz vor einer geplanten Etappe von rund 300 Kilometern

Anneliese sitzt beim Frühstück am Fenster im Hotel.
Anneliese beim Frühstück vor der nächsten Etappe – der Sieben-Uhr-Teil unserer 6–7–8-Regel.

Heute steht wieder ein sogenannter „Monster-Tag“ auf dem Plan: rund 300 Kilometer vom Fuji-Gebiet Richtung Nagoya. Noch ist das keine Erlebnismeldung, sondern die Ansage für den Tag. Dazu, zuverlässig wie ein japanischer Fahrplan: unsere 6–7–8-Regel.

Eine Reisegruppe ist kein Soziologie-Seminar. Oder doch?

Auf einer Motorradreise fährt nie nur die Maschine mit. Jeder bringt auch seine Tagesform, seine Gewohnheiten und ein kleines unsichtbares Gepäckstück namens Persönlichkeit mit.

Und dann gibt es in fast jeder Gruppe einen Menschen, den man in Österreich sehr präzise einen „Ungustl“ nennt. Ich lasse ihn hier selbstverständlich namenlos. Es geht nicht um eine einzelne Person, sondern um dieses erstaunlich zuverlässige Gruppenphänomen: Irgendjemand prüft die soziale Federung.

Was macht man damit? Ignorieren? Besonders freundlich bleiben? Sachlich-neutral durch die Kurve fahren? Oder den Ungustl „neutralisieren“ – selbstverständlich nur seinen Einfluss auf die eigene Stimmung?

Die zweite Fahrtechnik

Vielleicht braucht eine Gruppenreise neben Kurventechnik auch ein wenig soziale Fahrtechnik: genügend Abstand, einen klaren Blick und nicht jede kleine Bodenwelle zum persönlichen Drama erklären.

Eine endgültige Antwort habe ich am frühen Morgen noch nicht. Aber die Frage fährt heute mit. Rund 300 Kilometer sind schließlich lang genug – für Landschaft, Gedanken und die eine oder andere Lektion in Gruppenpsychologie.

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