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Unterwegs in Japan · Unsere Reisegruppe
Japan bietet Vulkane, Geysire und Straßen, auf denen ein Motorradfahrer vor Freude beinahe das Absteigen vergisst. Aber die interessantesten Landschaften sitzen manchmal auf den anderen Motorrädern. Jeder bringt seine eigene Geschichte mit. Manche gleich eine ganze Weltreisebibliothek.
Wir sind eine kleine internationale Gesellschaft auf zwei Rädern. Mit unterschiedlichen Akzenten, Lebensläufen und Vorstellungen davon, wer vorne fahren sollte. Bei diesem letzten Punkt herrscht zumindest bei einem von uns erfreuliche Klarheit.
Unser Guide: wenig Englisch, sehr viel Herzlichkeit
Unser Motorradguide fährt vorneweg. Er ist eigentlich Rennfahrer, und man merkt ihm an, dass er sich auf einer Maschine ausgesprochen zu Hause fühlt. Sein Englisch ist überschaubar. Sein Lachen dagegen braucht weder Übersetzung noch Untertitel. So herzlich kann man lachen, dass selbst eine Sprachbarriere plötzlich ziemlich lächerlich aussieht.
Er hat viel Spaß daran, dass ich mit meiner BMW R 1300 GS ganz gut mit ihm mithalten kann. Ich bin 76. Die Maschine hat davon zum Glück noch nichts mitbekommen. Für sie bin ich offenbar einfach der Mann, der oben sitzt und gelegentlich recht zufrieden schaut. Wir verstehen uns.
Mr. L und die natürliche Ordnung der Kolonne
Einen unserer deutschen Mitreisenden nenne ich liebevoll Mr. L. Er ist zwei Jahre älter als ich und ein ausgesprochen erfahrener Motorradfahrer. Tibet, Pakistan, die Welt kreuz und quer: Seine Reiseerfahrung reicht vermutlich für mehrere Reisepässe und eine mittelgroße Landkartenabteilung.
Mr. L weiß viel. Sehr viel. Und wenn man ihn fragt, lässt sich diese Einschätzung noch erheblich erweitern. Er möchte gerne vorne fahren. Vorne ist sein Platz, seine Aussicht und, so scheint es mir manchmal, ein kleiner Bestandteil der Weltordnung. Gelegentlich überhole ich ihn trotzdem. Auch Weltordnungen brauchen schließlich ein bisschen Bewegung.
Das ist liebevoll gemeint. Mit solchen Charakteren wird eine Gruppenreise erst lebendig. Wer wollte schon zwanzig Tage lang ausschließlich mit Menschen fahren, die immer derselben Meinung sind?
Von der Schweiz über Neapel nach Hua Hin
Dann ist da dieses sympathische Schweizer Ehepaar. Die beiden haben ihre Zelte in der Schweiz abgebrochen und leben inzwischen in Hua Hin in Thailand. Begeisterte Motorradfahrer sind sie beide. Er wurde in Italien, in der Nähe von Neapel, geboren und bringt das passende Temperament mit. Schweizer Lebensgeschichte, italienische Energie, thailändischer Lebensmittelpunkt: Da wird schon die kurze Vorstellung zur kleinen Reise.
Liebenswürdige Leute. Und ein schönes Beispiel dafür, dass man seinem Leben auch später noch eine völlig andere Adresse geben kann.
Ein Professor nimmt sich frei vom bisherigen Leben
Ein amerikanischer Professor ist extra für diese Tour angereist. Er liebt das Motorradfahren und genießt jetzt eine Lebensphase, die ganz ihm gehört. Er hat viel Verantwortung getragen und seine Kinder großgezogen. Nun ist Zeit für neue Begegnungen, Reisen und Freude am eigenen Leben.
Er ist ausgesprochen vergnügt. Die Lebensplanung scheint bei ihm gerade weniger aus Pflichtterminen und mehr aus Möglichkeiten zu bestehen. Ein Ansatz, dem ich durchaus etwas abgewinnen kann.
Außerdem fahren ein englischer ehemaliger Unternehmer und seine französische Frau mit. Schon unsere Gruppe widerlegt die Idee, dass Motorradfahrer alle aus demselben Holz geschnitzt wären. Falls doch, müsste dieses Holz jedenfalls aus erstaunlich vielen Ländern stammen.

Was man einem Menschen unterwegs nicht ansieht
Es gibt auch Geschichten, bei denen der Humor einen Schritt zurücktritt. Ein Mitreisender hat einen schweren persönlichen Verlust erlebt und im Motorradfahren wieder Halt gefunden. Solche Dinge sieht man keinem Helm an. Man lernt einen Menschen kennen, und nach und nach versteht man, was er außer seinem Gepäck noch mitbringt.
Leider gab es gleich am Anfang auch Stürze. Vier Reisende waren betroffen; zwei mussten wegen ihrer Verletzungen nach Hause und konnten die Tour nicht fortsetzen. Das hat uns getroffen. Zu einer ehrlichen Reisegeschichte gehören auch diese Momente.
Unser schottischer Mitreisender Ian hat sich besonders in mein Herz gefahren. Mit seiner unbeirrbaren Miene und seinem trockenen Humor braucht er keine große Bühne. Ein Schotte beklagt sich nicht, sagt er, er beißt die Zähne zusammen. Hinter dieser stoischen Haltung steckt ein sehr warmherziger Mensch. Ich mag ihn ausgesprochen gern. Manche Reisebekanntschaften bleiben eben länger als die Strecke.
Zwei Guides und ein ziemlich großes Japan
Neben unserem Motorradguide begleitet uns ein zweiter Guide im Van. Er kümmert sich um das Gepäck, spricht sehr gut Englisch und hält organisatorisch die Gruppe zusammen. Der eine zeigt uns den Weg, der andere sorgt dafür, dass unser übriges Reiseleben auch am Ziel ankommt. Eine durchaus beruhigende Arbeitsteilung.
Und dann ist da Japan selbst. Ich hätte nie gedacht, wie vielfältig diese Inselkette ist: Vulkane, Geysire, Küsten, Berge und immer wieder wunderbar ruhige, fast menschenleere Straßen. Ein Paradies für Motorradfahrer. Das Guidebook gibt den roten Faden vor; unterwegs bekommt er Gesichter, Stimmen und dieses unverwechselbare Lachen unseres Guides.
Am Ende reist eben jeder mit seiner eigenen Geschichte. Meine hat im Moment 76 Jahre, eine BMW und ziemlich viel Freude an der nächsten Kurve.
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