Japan-Tagebuch 05: Jetzt bekommen die Füße Konkurrenz

Deutsch | English

Die ersten Fahretappen · Kyoto – Kobe – Kurashiki – Richtung Hiroshima

Nach den Tagen zu Fuß in Osaka bekommen meine Füße Konkurrenz. Die BMW übernimmt den größeren Teil der Fortbewegung. Ich finde diese Arbeitsteilung ausgesprochen gelungen. Die Füße dürfen sich künftig auf die Besichtigungen konzentrieren, die Maschine kümmert sich um den Rest.

Unser Guidebook setzt den Auftakt am 26. September in Kyoto an: Kennenlernen, Einführung und Begrüßungsessen. Am folgenden Tag beginnt die erste Fahretappe. Auf dem Papier eine saubere Abfolge. Für mich vor allem der Moment, in dem aus einer Reiseplanung endlich eine Motorradreise wird.

Die Stadt bleibt unten, die Aussicht wächst

Die erste Route führt laut Tourplan in die Gegend von Kobe, über die Höhen des Rokko und weiter nach Himeji und Kurashiki. Schon die Bilder unserer ersten Tourtage erzählen von diesem Wechsel: Berge, Grün und der Blick hinunter auf eine große Stadt. Japan hat offenbar mehrere Stockwerke. Osaka war das geschäftige Erdgeschoss. Jetzt entdecken wir die oberen Etagen.

Kurt an einem Aussichtspunkt während der Japan-Motorradtour

So ein Aussichtspunkt hat für einen Motorradfahrer einen kleinen Haken: Man möchte weiterfahren, weil die Strecke Freude macht, und gleichzeitig stehen bleiben, weil der Blick es ebenfalls tut. Ein sehr angenehmes Problem. Mit 76 nehme ich solche Probleme durchaus gern in Kauf.

Eine Route mit ziemlich unterschiedlichen Persönlichkeiten

Im Guidebook stehen Himejis weiße Burg und Kurashikis historische Gassen als nächste Kontraste. Danach führt die Tour Richtung Hiroshima; für den dritten Tourtag ist Kure mit dem Yamato-Museum vorgesehen. Das ist der Rahmen dieser ersten Strecke. Nicht jeder Programmpunkt bekommt hier automatisch eine Heldengeschichte. Meine eigenen Bilder halten vor allem diesen ersten Wechsel fest: hinaus aus der Stadt, hinein in die Landschaft.

Was mich unterwegs immer wieder überrascht, sind die ruhigen Straßen und die Vielfalt. Japan kann dicht, laut und voller Menschen sein. Und dann kommt eine Gegend, in der plötzlich die Landschaft das Gespräch übernimmt. Unser Guide vorneweg, ich auf meiner großen BMW hinterher – das ist schon eine sehr brauchbare Form von Lebensgestaltung.

Die Motorradreise ist in Gang. Und ich auch. Im nächsten Rückblick werden die Maschinen für eine Inselbesichtigung wieder abgestellt. Die Füße sollten sich also nicht zu früh über ihre Entlastung freuen.

← Vorheriges Kapitel · Alle Kapitel · Nächstes Kapitel →

LEAVE A COMMENT