19. Oktober 2026 · Shirakawa-go und Kanazawa
Gut ausgeschlafen starten wir vom Hyatt Centric in Kanazawa zu unserem großen Ausflugstag. Neun Stunden Programm liegen vor uns. Ein Tag, der uns vom historischen Japan in den Bergen bis zu den kleinen, goldenen Kostbarkeiten Kanazawas führt.

Shirakawa-go – gebaut für den Winter
Unser erstes großes Ziel ist das historische Dorf Shirakawa-go, das zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Mächtige, steile Grasdächer über dunklen Holzhäusern, dahinter bewaldete Berghänge. Dazwischen schmale Wege, Wasserläufe und Reisfelder, auf denen gerade geerntet wird. Ein wunderschönes Bild vom ländlichen Japan.
Was ich bisher nicht wusste: Im Winter kann der Schnee hier zwei Meter hoch liegen – manchmal sogar noch höher. Plötzlich versteht man, warum diese Häuser so gebaut sind. Die steilen Dächer lassen den Schnee leichter abrutschen; die kräftige Holzkonstruktion ist auf die gewaltigen Belastungen des Winters ausgelegt. Was für uns so malerisch aussieht, ist zugleich eine ausgeklügelte Antwort auf das Leben in dieser schneereichen Bergregion.




Besonders beeindruckend ist deshalb der Blick unter eines dieser Dächer: mächtige dunkle Balken, mit kräftigen Seilen verbunden. Da bekommt man eine Vorstellung davon, wie viel Wissen und handwerkliches Können in diesen alten Häusern steckt.
In den Wohnräumen dann eine andere Welt: Tatamimatten, bemalte Schiebetüren mit Kranichen und Kiefern und ein reich verzierter Hausaltar. Außen so rustikal, innen voller feiner Details. Auch eine kunstvoll ausgestattete Samurai-Figur ist zu sehen.





Kenroku-en – ein Garten zum Stehenbleiben
Zurück in Kanazawa erwartet uns der Kenroku-en, einer der drei berühmtesten Landschaftsgärten Japans. Ein herrlicher japanischer Garten. Alte Kiefern breiten ihre Äste weit über das Wasser aus, sorgsam von Holzstützen getragen. Dazwischen Moos, Steine, gerundete Büsche und erste herbstliche Farben. Die berühmte zweibeinige Steinlaterne steht am Teich, als gehörte sie seit jeher genau dorthin.
Wir haben auch mit dem Wetter Glück und können diesen Garten genießen. Man möchte immer wieder stehen bleiben. Noch ein Blick über das Wasser, noch ein Baum, noch eine Perspektive.



Ein kleines Stehaufmännchen
Später werden wir selbst kreativ. Anneliese und ich bemalen kleine Stehauffiguren, sogenannte Hachiman-Okiagari. Unsere Exemplare bekommen reichlich Farbe und durchaus eigenwillige Gesichter. Kleine Persönlichkeiten eben.
Die Idee dahinter gefällt mir besonders: Man kann diese Figuren anstoßen und aus dem Gleichgewicht bringen – sie richten sich wieder auf. Widerstandsfähigkeit, ganz anschaulich. Eine kleine Erinnerung daran, dass man auch selbst wieder aufstehen kann, wenn einen etwas umwirft.

Auch bei den ausgestellten, fein ausgearbeiteten Blütenformen bleiben wir stehen. Wie viel Geduld und Liebe zum Detail hier in die Gestaltung fließt.

Gold auf Papier – und auf dem Eis
Dazu gestalten wir eine Postkarte mit einem goldenen Motiv. Ein selbst gemachtes Andenken an diesen Tag. Auf unserer Karte lächelt uns wieder eine kleine runde Figur entgegen.


Dazwischen schlendern wir durch die alten Gassen Kanazawas, vorbei an hölzernen Fassaden und kleinen Geschäften. Wieder eine andere Seite dieser vielseitigen Stadt.


Und schließlich wird das Gold sogar essbar: Wir gönnen uns ein Softeis, über das hauchdünnes Blattgold gelegt wird. Schon das Auflegen ist sehenswert. Ein wenig Luxus in der Eistüte muss heute sein.

So viele unterschiedliche Eindrücke an einem einzigen Tag: Dorfleben, Baukunst, Gartenkunst und eigenes Ausprobieren. Ein wunderschöner, reicher Tag. Und ein kleines Stehaufmännchen als Reisebegleiter.
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